Karl Bickel Vita II

Ab 1917 folgen zahlreiche Aufenthalte im Engadin und auf Walenstadtberg. Skizzen, Zeichnungen und Drucke mit Gebirgslandschaften entstehen. Die Physiognomie des Gesteins, das Gesicht der Felsmassive, das urzeitliche Antlitz der Berge stellt Bickel plastisch empfindsam dar (Lawine, Sichelkamm, Brisiwand, Hinterrugg). Er zeigt die Felsen wie Monumente der Natur, geformt und gebildet von den Kräften der Erde, des Windes, des Klimas, der Zeit. Wenn ihm schon ärztlicherseits von der Arbeit mit dem Meissel abgeraten wurde, so sucht er zumindest in der Zeichnung sich dem Material und der Formensprache der Skulptur zu nähern. 1918 erscheint die achtteilige Lithomappe «Lebenszyklus». Sie dient ihm später als Vorlage für die Mosaikbilder auf der linken Seitenwand des Paxmales. 1919 entstehen die Kupferstiche «Sinnender» und «Erwachender». Sie verweisen auf den ikonographischen Umkreis des Lebenszyklus. 1919 skizziert er «Die Aufgehenden» nach der Komposition des Weltgerichts von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. 1922 erteilt die PTT-Generaldirektion dank Vermittlung von
J. E. Wolfensberger Karl Bickel einen ersten Auftrag. Er macht einen Kupferstich mit einer symbolistischen Darstellung des Weltpostdenkmals von René de Marcaux. 

1923 entwirft er drei neue Schweizer Banknoten, die aber nie realisiert wurden. 1924 ist ein Schicksals- und Wendejahr. Bickel verkauft nach dem Tod der Mutter sein Zürcher Elternhaus und zieht nach Walenstadtberg. 1924 beginnt er den Bau des Paxmales auf Schrina-Hochrugg. Dort lernt er seine spätere Frau, die St. Gallerin Berta Albrecht, kennen. 1926 Heirat. 1927 wird Sohn Karl geboren. Die Tempelfront des Paxmales wird verglast und dient als Atelier, die befensterte Giebelfront bis 1938 als Wohnung. Im Winter verdient er den Lebensunterhalt sowie die Baukosten für das Paxmal mit Briefmarkenstechen, Plakatentwürfen und werbegraphischen Aufträgen. Ab Mitte der 30-er Jahre wird die PTT zu seiner grössten Auftraggeberin. 1934 verabschiedet sich Karl Bickel mit seinem letzten Lithoplakat von der Werbewelt. 1949 ist das Paxmal beendet. Seit 1950 besetzt die Ölmalerei mit Themen früherer Jahre als Variationen und Neufassungen der Tages- und Jahreszeiten den Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens. Auch aktuelle Sujets wie
«Hiroshima», «Streikende», etc. fliessen ein. Stilistisch bewegt er sich zwischen abstrahierender Figuration und konstruktivistischen Formulierungen. 1952 Aegyptenreise. 1965 legt er den Stichel aus der Hand. Letztes Markenwerk ist die in Gemeinschaft mit Karl junior geschaffene
«Madonna von Schellenberg». Karl Bickel stirbt am 6. November 1982 auf Schrina-Hochrugg. Weiter ...

 

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